Bei der Gründung des Skiclubs im Sommer 1975 stand im Vordergrund, dass wir uns vor allem als Skischule sahen. Und was braucht eine Skischule? Natürlich Skilehrer. Das war für Eugen ja der eigentliche Grund, diesen Verein zu initiieren. Er hatte als einziger von uns schon einschlägige Erfahrung auf diesem Gebiet durch seine Tätigkeit bei der Skiabteilung der TG Biberach, wo er als 15 - jähriger angefangen und mit 17 Jahren den ersten Übungsleiter - Lehrgang abgeschlossen hatte.
Als er dann die Kameraden aus seinem Umfeld (Nachbarschaft, FCM) fragte, ob sie dabei wären, meinte er natürlich: Als Skilehrer. Keiner von uns hatte eine Ahnung, geschweige denn selber schon mal einen Skikurs gemacht. Trotzdem waren wir am Allerheiligen - Wochenende 1975 bereit, dieses Abenteuer anzugehen. Als Ausbilder wurden zwei Mitglieder aus dem Lehrteam des Schwäbischen Turnerbunds (STB) angeheuert. Das Ziel war der Stubaier Gletscher. Gefahren wurde in Privat - PKW‘s. Einer der Fahrer war Sigi Besener, der erste Vorstand des neu gegründeten Vereins ‚Skiclub Mittelbiberach e. V.‘ Selbiger hatte zwar keine Skilehrer - Ambitionen, hat sich aber trotzdem als Fahrer zur Verfügung gestellt, vor allem auch deshalb, weil er den meisten bis dahin unbekannt war.
Für die meisten von uns war auch der Stubaier Gletscher unbekanntes Terrain. So wurden wir vor allem auch von dem riesigen Andrang überrascht, der dort herrschte. Eine Stunde warten an der Gondelbahn zum Gletscher, dort oben jeweils fast eine Stunde warten an den beiden einzigen Schleppliften, die dort oben liefen. Zum Teil haben wir dann die Skier einfach geschultert und sind zu Fuß nach oben gestiegen, um dort unter Anleitung die ersten Schritte als zukünftige Skilehrer zu unternehmen. Ganz schön anstrengend auf 3000 Meter Höhe. Bei diesem ersten Lehrgang wurden wir zum ersten Mal mit den Begriffen ‚Hochschwung‘, ‚Paralleles Fahren‘, Umsteigeschwung‘ usw. konfrontiert. Gewohnt haben wir für eine Nacht in einer Pension in Neustift, der Abend verlief nach unserer Erinnerung feucht - fröhlich. Am Ende dieses Einweisungs - Wochenendes fühlten wir uns bereits als Skilehrer, denen die Welt an der Skischul - Front offen stand.
Im Februar 1976 haben wir unseren ersten Skikurs abgehalten. Mit vier vollen Bussen waren wir am Oberjoch. Es gab Kurse für Kinder und Erwachsene in jeweils 4 Leistungsgruppen. Wir als Skilehrer fühlten uns bereit, hatten aber insgeheim natürlich keine Ahnung. Die einzige Erfahrung war der Einweisungslehrgang vom November. Wir gingen völlig blauäugig in dieses Abenteuer. Die Kurse fanden am Oberjoch und in Balderschwang statt. (und sonst noch?).
Eine besondere Erinnerung an diesen ersten Skikurs war, dass wir in der Mittagspause am Busradio dem Abfahrtsrennen der Damen in Innsbruck bei den Olympischen Spielen gelauscht haben und wir dabei hautnah den Sieg von Rosi Mittermaier mitbekamen. Damals gab es dann nach den Skikursen auch noch einen zünftigen Abschluss. Natürlich nur für die Erwachsenen. Die Kinder wurden nach der Ankunft in Mittelbiberach nach Hause geschickt. Der Abschluss nach dem ersten Skikurs fand im Gasthaus Rössle statt. Ich muss gestehen, dass ich das Ende nicht mehr bewusst miterlebt habe. Der Alkohol floss in Strömen, die Folge war einer von wenigen Filmrissen in meinem Leben. Im Nachhinein bewusst war mir dann nur noch der Heimweg, auf dem mich meine damalige Freundin davon abhalten musste, einen kleinen Umweg durch den Rotbach zu machen. Spätere Abschlüsse haben dann im Rösslesaal stattgefunden. Damals war das noch ein gesellschaftliches Ereignis. Das ging einmal soweit, dass der Saal bereits voll war, als wir von den Skikursen zurückkamen.
Nachdem wir im Februar 1976 unseren ersten Skikurs erfolgreich hinter uns gebracht hatten, wurde es höchste Zeit, unser Skilehrerdasein mit fundierten Kenntnissen abzusichern. Es konnte ja nicht sein, dass wir uns dauerhaft mit nur einer Einweisung und einem absolvierten Skikurs schon als richtige Skilehrer fühlen durften.
So sind war dann also Anfang Dezember 1976 zu unserem ersten offiziellen Skilehrer - Lehrgang (Oder auch: Übungsleiter Grundstufe) nach Balderschwang aufgebrochen. Wir waren zu fünft: Henry Ackermann, Karl Schmid, Heinz Layer, Herbert Ries, Gerd Meissner. Mitzubringen war zusätzlich eine Langlaufausrüstung. Gewohnt haben wir im Hotel Ifenblick. Lehrgangsleiter war Ernst Fuhrmann vom STB. Ausbilder waren unter anderem Charly Achberger und Alex Rach von der TG Biberach.
Schon bei der Anreise hat es angefangen zu schneien und die ganze Woche komplett durchgeschneit. Das große Panoramafenster im Restaurant des Hotels war am Ende der Woche komplett zu, die an der Straße geparkten Autos waren nicht mehr erkennbar und mit dem Hang verschmolzen.
Die Woche war natürlich geprägt durch das Wetter, aber auch durch die Erkenntnis, dass wir keine Ahnung von der ganzen Materie hatten. Wir mussten quasi das Skifahren von Grund auf neu lernen. Schonungslos wurde uns von den Ausbildern klargemacht, wo wir standen. Da wir aber nicht die einzigen waren, denen es so erging, haben wir unseren dadurch entstandenen Frust durch ausgelassene Stimmung am Abend kompensiert. Dass wir zwischendurch auch noch ein bisschen Theorie büffeln und eine kleine Prüfung ablegen mussten, haben wir weggesteckt, mehr oder weniger. Rückblickend kann man sagen, dass wir uns schon beim ersten Lehrgang einen gewissen Ruf erworben haben. Dass Henry zu dieser Theorieprüfung mit der Badekappe auf dem Kopf und dem Waschbeutel unterm Arm erschien, hat auch ein bisschen dazu beigetragen.
Einen Tag in dieser Woche mussten wir dem Langlauf widmen. Zum ersten Mal auf den schmalen Latten stehend, durften wir am Vormittag die Grundtechniken üben, um dann am Mittag gleich eine Prüfung abzulegen. Die eigentliche Prüfung zum Lehrgang gab es aber nicht in dieser Woche, sondern erst an einem Wochenende im folgenden März.
Am Freitag war der Lehrgang zu Ende, am Abend wurde nochmal richtig gefeiert. Am Samstag wurden dann die Autos gesucht und ausgegraben. Manche mussten mehrmals graben, bevor sie das richtige Auto gefunden hatten. Danach hieß es aber, Kommando zurück, wegen Lawinengefahr ist weder eine Abreise über den Riedbergpass noch über Hittisau möglich. Also müssten wir noch eine weitere Nacht dranhängen.
Am Sonntag gab es wieder das gleiche Bild, aber es hatte aufgehört zu schneien. Also hieß es wieder graben. Immerhin war jetzt der Riedbergpass geräumt und passierbar. Wir konnten abreisen.
Ende März 1977 haben wir uns dann wieder zur Prüfung im Hotel Ifenblick eingefunden. Geprüft wurden an beiden Tagen die einzelnen Techniken, die man als Skilehrer damals so drauf haben musste: Pflug, Hochschwung, Tiefschwung, Berg - und Talstemme, schnellendes Umsteigen. (Ja, so hieß das). Dazu noch freies Fahren im Gelände und ein Slalom, bei dem Technik und Zeit benotet wurden, sowie eine Lehrprobe. Zu den Regularien gehörte, dass bei jeder Teildisziplin mindestens die Note ‚4‘ erreicht werden muss. Schlechter als ‚4‘ bei einem Schwung bedeutete also: Nicht bestanden.
Das freie Fahren fand an einem Hang statt, der nicht zu den üblichen Pisten in Balderschwang gehörte (Vom Kreuz in Richtung Bodenseehütte). In der Nacht hatte es ziemlich nass geschneit, sodass es äußert schwierige Verhältnisse waren.
Henry hatte bei seinem Versuch wenig Glück und musste mehrmals unfreiwillig in den Schnee, was er dann am Ende damit quittierte, dass er voller Rage einen Ski in Richtung der unter einem Baum stehenden Prüfer geworfen hat. Durchgefallen.
Ohne auf die Noten der einzelnen Mittelbiberacher Teilnehmer einzugehen, muss man feststellen, dass außer Herbert Ries alle anderen im nächsten Jahr nochmal anreisen durften, um in ihrer jeweiligen ‚Problemdisziplin‘ nachgeprüft zu werden.
Zu erwähnen ist noch, dass es in der Nacht davor beinahe zu einem Eklat gekommen ist, weil sich der Lehrgangsleiter in seiner Nachtruhe gestört gefühlt hatte und uns deshalb vorzeitig nach Hause schicken wollte. Bis er dann bemerkte, dass unter den Ruhestörern auch ein Teil des Lehrteams war. Allerdings konnte im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden, wer in der Nacht noch auf dem Flur mit einem Skateboard unterwegs war.
Solche Dinge sind es manchmal, die einem den Ruf vermiesen.
Die Skilehrer
Was fast schon amateurhaft 1975 begonnen hatte, bekam im Laufe der Jahre eine besondere Dynamik. Wenn unsere Skilehrer zu Lehrgängen des STB gingen, waren sie gut ausgebildet und vorbereitet. Da kamen dann auf einmal Lehrgangsbeste raus. Und unsere Art Skilehrer zu leben mit Fachwissen, Fahrkönnen und mit sehr viel Spaß waren wir gern gesehene Gäste beim Verband.
E.v.M. hatte 1980 den Skichulausbilderlehrgang bestanden und dann über 30 Jahre die Skilehrer unserer Skischule intern ausgebildet. Bei Bedarf kamen dann Landesausbilder vom STB dazu. Jedes Jahr wurden Skilehrer-Nachwuchs-Trainings gemacht, wo wir sehr gut ausgebildete Jungskilehrer nachgezogen haben.
Höhepunkte waren da die Berufung von Stefan Ries ( Stisi ) ins Landeslehrteam vom STB und später die Berufung von Florian Trittler ins Landeslehrteam und ins Bundeslehrteam vom DTB. Darauf können wir schon etwas stolz sein.
Die Skikurse
Dass man in Mittelbiberach erfolgreiche Skikurse belegen kann, hat sich in der Umgebung sehr schnell rumgesprochen. Der Zulauf war riesengroß. Mit in der Spitze 250 Skifahrern mit 5 Bussen waren wir organisatorisch gefordert. Ein Bus war dann immer als „Raucherbus“ gekennzeichnet – heute einfach undenkbar. Die Leute kamen zu uns um Skifahren zu lernen und erlebten großen Lernerfolg und sehr viel Spaß dabei. Natürlich war eine Hütteneinkehr normal wie der Rotwein im Bus. Zum Abschluss gab es immer eine Riesenparty mit Musik, Tanz und lustigen Einlagen der Skilehrer und der Kurse.
Um die Organisation zu stemmen haben wir einfach eine Geschäftsstelle eingerichtet unter Leitung von unserem Skilehrerfreund Hubert Krischbach. Einige Jahre später nach dem leider viel zu frühen Tod von Hubbe haben wir das dann wieder eingestellt.
Heute bieten wir Kinderkurse an und mit ca. 110 Teilnehmern in 2 großen Bussen und den hochmotivierten Skilehrern bringen wir die Kleinen zum Skifahren.