Wally - Langlauf in Mittelbiberach

eine fast unendliche geschichte


Wenn es früher Schnee hatte, sind die Leute einfach losgezogen und haben Spuren gezogen. Auch in den Anfangsjahren vom Skiclub. Größere Loipen im Allgäu wurden mit PKW besucht.

1978 nahmen Mitglieder vom Skiclub bei einem Rennen in Oberstdorf teil.

1980 bei einem Rennen in Rindenmoos auf der TG – Loipe.

 

1985 begann E.v.M. dann mit etwas Struktur eine Loipe zu spuren. Mit Alpinski und Langlaufbindung ging es „per pedes“ los. 2 x mit Alpinski drüber, 2 x mit Langlaufski, fertig war eine einigermaßen passable Spur. Die ersten Loipen waren unterhalb vom Schloss Richtung Lau, bis Reute und wieder zurück. In späteren Jahren ging es dann Richtung Waldhofen und Moosweiher.

 

2000 baut E.v.M. aus einem großen Schneeschieber und 2 abgesägten Skiern ein erstes Spurgerät, hängt es an seinen Jeep Wrangler und mit Allrad, Untersetzung und Schneeketten ging´s los. Das Ergebnis – nicht toll, aber eine gut fahrbare Loipe.

In den nächsten Jahren trafen sich Dennis als Skater und E.v.M. als Klassikläufer immer wieder auf großen mit Winterfrucht bestellten Äckern. Die waren topfeben und bei entsprechender Schneelage gab es da wunderbare Spuren. Die beiden waren sich einig, da muss etwas „Gscheid´s her um ein Langlaufparadies Mittelbiberach auszurufen.

 

2005 war die Zeit reif. Durch Kontakte zum Skilift Fischbach haben wir erfahren: Die haben etwas was wir brauchen und die wollen das Teil verkaufen. Vorstandsbeschluss, Fahrzeuganhänger organisiert und ab nach Fischbach, Raupe „Fips“ gekauft und nach Mittelbiberach gebracht. Reinhard Kaspritzki, Stefan Schneider und Schorsch Trittler gingen sofort an die Arbeit. Aus einem Metallregal wurde das Klassik – Spurgerät gebaut und mit Kunststoffteilen in Form von Keilen ( besorgt bei Firma Leitner in Sterzing ) versehen, um profihafte Spuren aus dem Schnee zu fräsen. Die Technik wurde so ausgelegt, dass in einer Fahrt Klassik- und Skatingloipen gespurt werden. Dass diese Idee zwar gut war aber im Dauerbetrieb zu Problemen führte wurde uns erst später klar. In Fischbach fuhr Fips 300 Meter den Berg hoch, wendete und fuhr wieder runter und das 10 Mal. Bei unserem Loipensystem von 13 Kilometern  war die Belastung für die Raupe einfach zu groß. Folge, immer wenn es tollen Schnee hatte ging sie kaputt.

 

Der Name Fips gefiel uns nicht. In einer Vorstands - Sitzung stellte E.v.M. den Loipenplan vor. Ein Einstieg war beim Frisierstüble Wally, also wurde Fips umbenannt in Wally. Wally brauchte natürlich auch ein Dach überm Kopf. Mit Holz von Reinhard wurde im Garten von E.v.M. eine Wally - Garage gebaut, durch ein Loch im Zaun konnte Wally dann ein- und ausfahren. 

 

Im ersten Winter hatte es sehr viel Schnee und wir nannten es Langlaufparadies Mittelbiberach. Es gab einen Loipenalarm, immer wenn es gespurt war ging eine Mail an die angemeldeten Langlauffreunde raus und sie konnten kommen. Das wurde eifrig genutzt.

Ein paar Mal musste der Bauhof Mittelbiberach mit Räumfahrzeugen entlang der Waldhofer Straße Parkplätze schaffen damit nicht alles zugeparkt wurde. Die Loipen führten von Mittelbiberach Waldhofer Strasse nach Biberach Fünflinden, über Moosweiher bis nach Stafflangen und wieder zurück. Wochenlang drehten viele Langläufer in Klassiktechnik oder im Skating ihre Runden und freuten sich über das Angebot.

 

Viele Loipentage verursachten auch Benzinkosten, weil Wally natürlich nicht mit Wasser fuhr. Es gab eine Loipenkasse beim Zaun von E.v.M.. In einer Saison waren tatsächlich 80 Euro drin. Wäre fein gewesen aber wir hatten für 160 Euro getankt.

 

Immer wenn Wally muckte musste der Jeep Wrangler von E.v.M. ran. So gelang es über Jahre bei guter Schneelage gute Loipen zu spuren. Wally muckte immer öfters und Chefschrauber Reinhard hatte alle Hände voll zu tun. Allein 4 x wurde der Tank bei voller Fahrt verloren. Das merkt man erst nach 200 bis 300 Metern Fahrt, dann geht es zu Fuß zurück, den Tank geholt und wieder eingebaut.

 

Einmal fielen in einer Nacht 40 cm Neuschnee, heute undenkbar. Noch als E.v.M. den Hof vom Schnee räumte kamen die ersten Langläufer und fragten ob heute nicht gespurt wird.

Gesagt, getan, rauf auf den Bock und gespurt und die Leute munter hinterdrein. Nach 4 km machte die Wally ungewöhnliche Geräusche und war nicht mehr zu steuern. Die Langläufer kamen und waren ganz begeistert von der Qualität der Loipen.

Ein kurzes Gespräch zwischen einem Langläufer und E.v.M. ging so:

Kann ich was helfen?

Hast Du eine Ahnung von Technik?

Nein.

Keine Ahnung habe ich selber.

Soll ich wenigstens jemanden anrufen, zum Beispiel Herrn Moser?

Brauchst Du auch nicht, bin ich selbst.

 

Reinhard musste her, brachte die lädierte Raupe mit Ach und Krach nach Hause und musste feststellen, dass vieles kaputt war und eine Reparatur sich nicht lohnte. Jetzt musste halt wieder der Jeep Wrangler einspringen.

 

Wir waren uns einig, wenn Langlauf in Mittelbiberach Erfolg haben will, muss eine Alternative her. Die fanden wir 2011 bei Pisten Bully Kässbohrer in Laupheim. Eine richtige, gebrauchte  Langlaufraupe – ein richtiger Pistenbully. Reinhard und E.v.M. waren sofort begeistert von der leichten Bedienung. Mit 2 Knöpfen wurde gesteuert, mit Hydraulik wurden Klassik- und Skatingspur gelegt. Die ersten Fahrten waren vielversprechend, der Schnee kann kommen.

 

Damit hatte unsere Wally ausgedient und wurde verschrottet. Fremdstarthilfe durch den Bully, ein letzter Glühwein auf die Wally an der Schneebar ( gab es damals noch ) und ab ging es in die ewigen Jagdgründe.

 

Die neue Raupe wartete auf ihren Einsatz. Eines Nachts machte es über 30 cm Neuschnee, am Morgen ging´s los. Nach 2 Fahrten um die Trainingsrunde wurde das Ergebnis begutachtet – vernichtend!

Weil der Boden nicht gefroren war, gruben sich die Ketten in den Untergrund und wir fanden statt einer Loipe nur Flurschaden in den Wiesen. Also Warten auf Frost und den nächsten Schnee, aber das gab es nicht mehr in dem Winter. Schweren Herzens mussten wir einsehen dass die große Raupe für unsere Breiten nicht geschaffen ist. Also ging unser Bully wieder zurück nach Laupheim. ( schade, es waren noch 70 Liter Diesel im Tank )

Das war´s mit unserem Langlaufparadies in Mittelbiberach.  

 

2019 gab es einen letzten verzweifelten und bescheuerten Versuch doch noch eine Loipe spuren zu können. Thomas Schwäble ( Kanzler Hochschule Biberach ) hatte von einem Kollegen ( Kanzler in Konstanz ) gehört, dass in einem Studienprojekt ein rasanter 80 – Km schnell laufender Motorschlitten gebaut wurde, der jetzt weg musste. Also nix wie hin nach Konstanz, das Ding abgeholt und bei Markus Röder in die Werkstatt gebracht. Nach einigen Fahrversuchen, bei denen Mägge fast das Bein gebrochen hatte war klar, diese Höllenmachine kann von uns nicht beherrscht werden. Wenigstens konnten wir dieses Teil zum gleichen Preis an einen Bastler aus dem Allgäu verkaufen.

 

Damit war dann wirklich Schluss! Wir mussten einsehen, dass maschinell gespurte Loipen in Mittelbiberach nicht möglich sind. Der Klimawandel lässt das einfach nicht mehr zu.

 

Wenn es überraschend mal stark schneit und der Schnee dann auch ausreichend liegen bleibt, was 2023 nochmals der Fall war, wird von E.v.M wieder per pedes gespurt. Und natürlich geht es wieder mit dem PKW ins Allgäu.

 

Diese lange Geschichte und die Bilder dazu zeigen, was mit Willen und Engagement von einigen Freiwilligen über Jahre möglich war. Wir wurden für verrückt erklärt, aber wir hatten unsere Ideale. Und wenn wir heute bei einem Glas Wein zusammen sitzen und die Sprache auf Langlauf und die Wally kommt, gibt es nur noch heitere Geschichten, meist glänzende Augen und viel Spass.